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Angstfrei reiten

Die Autorin

Gedanken wirken

Vielleicht erinnern Sie sich noch an Ihre Kindheit und das Spiel mit dem Pendel – man musste nur ganz fest daran denken, dass sich das Pendel in eine Richtung im Kreis dreht und das Pendel drehte sich im Kreis. Wollte man die Richtung wechseln, dachte man ganz einfach daran, dass es sich jetzt in die andere Richtung drehen soll, und schon hat es die Richtung gewechselt. Für alle, die es damals verpasst haben, versucht es einfach heute noch einmal – es funktioniert. Dieser einfache Trick von damals zeigt uns heute, dass Gedanken Muskelreaktionen hervorrufen. Sie müssen das Ende der Schnur gar nicht aktiv im Kreis drehen – der Gedanke daran reicht vollkommen aus und minimale Muskelreaktionen sind die Folge, die das Pendel in Bewegung versetzen. Gedanken erzeugen also Muskelreaktionen – und genau diese Dimension der Hilfe können wir uns ganz einfach beim Reiten zunutze machen.

Ich spreche dann immer von dem Gedanken lesenden Pferd. Was natürlich so nicht ganz richtig ist, denn das Pferd liest natürlich nicht unsere Gedanken, sondern es spürt die Muskelbewegungen, die durch unsere Gedanken ausgelöst werden.

Dieser Trick funktioniert aber nur, wenn wir das Richtige denken. Dazu müssen wir das, was wir denken, in die Körpersprache „übersetzen“. Machen wir noch mal den Trick mit dem Pendel und denken zum Beispiel die ganze Zeit „Nicht im Kreis“, ist die Reaktion des Pendels sehr ungenau: Manchmal geht es im Kreis, manchmal nicht, je nachdem, wie man denkt und was man genau denkt. Das bedeutet, es kommt keine klare Botschaft an. Denkt man dagegen immer „rechts herum im Kreis“, wird dieser Befehl sofort umgesetzt. Mit der Botschaft an das Pferd ist es genauso. Denkt man zum Beispiel beim Reiten „nicht verspannen“, ist die Botschaft, die der Körper dem Pferd gegenüber aussendet, nicht konkret: Will der Reiter jetzt nun, dass ich mich verspanne oder nicht?

Hier möchten wir natürlich die Kommunikation so klar wie möglich gestalten, aus diesem Grund sollte man auf das Wort „nicht“ verzichten. Denken Sie klar und deutlich, was Sie vom Pferd wollen, zum Beispiel: locker und entspannt, locker und entspannt – ganz besonders dann, wenn Sie spüren, dass das Pferd gerne etwas anderes tun würde. Dieser Trick funktioniert übrigens auch hervorragend beim „normalen“ Reiten. Denken Sie das, was Sie vom Pferd wollen, in Kombination mit den richtigen Hilfen, werden Sie erstaunt sein, wie wirksam diese Methode ist. Die Botschaften, die Sie an das Pferd senden, werden so ganzheitlich.

Jedoch haben wir beim Reiten noch eine weitere Herausforderung, und das sind die Gedanken, die uns gar nicht sofort bewusst sind. Oft macht man sich nur Gedanken darüber, wo man am besten durchparieren sollte, oder man denkt daran, als Nächstes anzutraben, ohne festen Plan, nur als nächste Möglichkeit.

Manche Reiter wundern sich darüber, dass ihr Pferd auf einmal anfängt zu zackeln oder warum es durchpariert, obwohl es keine aktive Hilfe dazu gegeben hat oder was es auch immer sein sollte. Dass das Pferd nicht das macht, was wir wollen, fällt uns sofort auf, aber was hat der Reiter in diesem Moment gedacht? Dachte er vielleicht gerade daran anzutraben oder dachte er vielleicht gerade daran, wo man am besten durchparieren sollte? Viele Reiter strafen nun das Pferd mit zu viel Zügelhilfen oder treiben es entschlossen wieder an. Die Frage ist aber, hat das Pferd wirklich „von sich aus“ beschlossen durchzuparieren? Oder hat es nur das gemacht, was dem Reiter gerade durch den Kopf ging? Das macht einen großen Unterschied! Das Gedankenlesen sollte man fördern, das Von-sich-aus-Handeln korrigieren.

Jeder möchte gerne sein Pferd mit leichten Hilfen reiten und das bewusste Denken kann dazu wesentlich beitragen. Wenn wir es aber dafür bestrafen, wenn es Gedanken liest, wird es das bald bleiben lassen. Wenn also das nächste Mal Ihr Pferd nicht genau das macht, was Sie wollen – überlegen Sie einmal: An was haben Sie gerade gedacht – hat es vielleicht Gedanken gelesen? Denn damit hat es ja eigentlich nichts falsch gemacht – außer Sie möchten nicht, dass Ihr Pferd auf diese Signale reagiert. Zackelt Ihr Pferd im Schritt zum Beispiel an, denken Sie ganz entschlossen Schritt, Schritt, Schritt. Vielleicht zählen Sie auch die Schritte mit und geben dem Pferd so den Rhythmus vor. Wichtig ist nur, dass Sie ganz bewusst an Schritt denken, und reagiert Ihr Pferd darauf positiv, haben Sie damit sehr viel erreicht. Sie belohnen Ihr Pferd für das Gedankenlesen und trainieren es darauf. Das stellt natürlich an den Reiter eine gewisse Anforderung – es hilft Ihnen jedoch dabei, besser und klarer mit dem Partner Pferd zu kommunizieren. Damit helfen Sie Ihrem Pferd, Sie besser zu verstehen, und Sie eröffnen SICH einen neuen Kommunikationskanal – das Pferd kannte ihn schon – und Sie sind auf dem Weg, durch feinere und harmonischere Hilfen zu reiten – die Pferde werden es Ihnen danken.

Auch diese Methode trägt ihren Teil dazu bei, besser und stressfrei zu reiten.

Francis Picabia: „Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann.“

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